Canopy-Touren
Rasant durchs Blätterdach
Der Regenwald lässt sich nicht nur auf konventionellen Trampelpfaden erkunden: Auch eine Tour durch das Blätterdach ist möglich. Anstatt die Baumriesen von unten zu bestaunen fährt man bei der so genannten „Canopy-Tour” über die Baumwipfel hinweg oder mitten durch das Regenwalddach hindurch. Diese gänzlich andere Perspektive bietet vor allem eines: Nervenkitzel.
Schließlich geht es beim Canopy in schwindelerregenden Höhen und mit rasender Geschwindigkeit über den Urwald. Der Nachteil: Tierbeobachtung steht dabei an zweiter Stelle. Zum einen kann man bei den teils hohen Geschwindigkeiten, mit denen man zwischen den Bäumen hindurch rast kaum etwas erkennen, zum anderen meiden die meisten Tiere Gegenden, wo sich neuerdings auch Menschen im Blätterdach aufhalten. Wer aber auf der Suche nach einem Erlebnis der “anderen” Art und zudem schwindelfrei ist, der ist beim Canopy genau richtig.
Per Sitzgurt an einem Rollensystem befestigt
Ausgerüstet mit Helm, Sicherheitsgurten und Lederhandschuh steigt man hoch hinauf auf eine Kanzel in der Baumgabel. Dort ist ein dickes Drahtseil um den Baum gespannt, das zu einem anderen Urwaldriesen führt – der liegt allerdings oft außer Sichtweite, so dass man bis zur nächsten „Station” schon mal 300 bis 500 Meter am Seil in der Luft zurücklegt. Auf Kommando des Tour-Guides geht es los: Mit Schwung übers Blätterdach hinweg – nur per Sitz-Gurt an einem Rollensystem befestigt. Damit man nicht wie wild am Drahtseil herum baumelt oder um die eigene Achse pendelt, hält man mit dem verstärkten Lederhandschuh, der über das Seil fährt, die Blickrichtung quasi „selbst in der Hand”. Während man bei manchen „Sky Trecks” über den Handschuh bremst, haben andere richtige Bremssysteme eingebaut. Klingt kompliziert, ist aber vor allem eines: ungewohnt. Die Tour ist offiziell für Kinder ab sieben Jahren geeignet – allerdings sollte man sicher gehen, dass sie diese Art von Abenteuer wirklich lieben. Denn Herzrasen bekommt hier auch der Erwachsene. Vor der Tour gibt es eine Einweisung vom Tour-Guide, Sicherheit liegt den Veranstaltern am Herzen.
Canopy: Eine kanadische Erfindung
Der Kanadier Darrien Hreniuk hatte diese aufregende Art der Urwaldtour einst erfunden. Der Spaß fand überall im Land Nachahmer, so dass heute bei fast jedem Nationalpark neben der konventionellen Erkundung zu Fuß auch die aufregendere Canopy-Tour möglich ist. Allerdings ist mit dem „schnellen Abenteuer” auch eine gewisse Umweltbelastung verbunden, durch die der so genannten „Ökotourismus” an Glaubwürdigkeit verliert. Die Baumstämme werden zum Teil stark geschädigt, die technische Anlage kann zu Bodenerosion sowie zur Zerstörung der Vegetation führen. Davon abgesehen ist auch der Adrenalin-Schrei der Touristen dem Verhalten im Urwald alles andere als angemessen. Dennoch: Canopy ist einfach typisch für Costa Rica und kaum ein Tourist kann dem verlockenden Angebot widerstehen.


