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Kultur und Gesellschaft


Arm, aber reich an Lebensfreude: Die Kultur Costa Ricas

Die Costa-Ricaner, die sich selber als Ticos bzw. Ticas bezeichnen, sind stolz auf ihr Land: Es ist reich an Naturschätzen, genießt ein vergleichsweise hohen Bildungsniveau – und es ist ein Land im Aufschwung. Obwohl sie sich selbst über ihre Armut definieren (18 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze) hat Costa Rica den höchsten Lebensstandard Mittelamerikas. Auch auf etwas anderes sind die Ticos stolz: Costa Rica ist das einzige Land der Welt, das keine eigene Armee führt. Damit ist es gewissermaßen eine Oase des Friedens.

Freundlich und gelassen: Der Tico kennt keinen Zorn

Die Ticos zeichnen sich durch ihre Höflichkeit aus, mit der sie jede allzu grobe Direktheit vermeiden. Es ist ein sehr gelassenes Volk: Zorn und Rage kennen sie kaum, Streitigkeiten werden durch Kompromisse beigelegt. Die meisten Ticos sind Mestizen, also Mischlinge von spanischen Einwanderern und schwarzen oder indianischen Vorfahren. Die Ureinwohner stellen heute lediglich ein Prozent der Bevölkerung. Es sind die Stämme der Bribrí, Cabécar, Brunka, Guaymi und die Maleku. Vom Tourismus bleiben auch diese Volksgruppen nicht unberührt. Teils bewahren sie sich ihren traditionellen Lebensstil und wohnen in eigenen Reservaten, teils haben auch sie die ökonomischen Vorzüge des Tourismus erkannt und versuchen, von dem Interesse der Touristen an ihrer Lebensweise zu profitieren. Die angemessene Bezeichnung für Nachfahren der Ureinwohner ist die spanische Bezeichnung „Indígenas”, wohingegen „Indios” eher als Schimpfwort aufgefasst wird. Knapp drei Prozent der Bevölkerung Costa Ricas sind Schwarze, von denen ca. 75 Prozent an der karibischen Küste leben.

Wohnen in Costa Rica: Farbenfrohe Fassaden prägen das Bild

Die typische Wohnsituation der Costa-Ricaner ist ein einstöckiges Haus aus Holz oder Beton – die farbenfrohen Fassaden prägen das Bild in den Städten und Dörfern. An der Karibik ist der Lebensstandard etwas niedriger als andernorts, da diese Region von der Regierung lange Zeit vernachlässigt worden war. Auch wenn die Gesellschaft zunehmend mobiler wird, ist der Lebensmittelpunkt der Ticos nach wie vor die Familie. Die Mitglieder eines Familienclans wohnen häufig in der näheren Umgebung. Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Costa Rica ein agrarisch geprägtes Land. Die meisten Einwohner lebten von der Arbeit auf Kaffee- oder Bananenplantagen. Heute ist etwa die Hälfte aller Ticos im Dienstleistungssektor tätig, auch die Beschäftigung in der Industrie (vor allem in der Agrarindustrie) nimmt zu. Der Tourismus leistet mit 10 Prozent einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsleistung des Landes. Costa Rica ist ein jugendliches Land: Knapp ein Drittel der Bevölkerung sind unter 15 Jahre. Dass die Landessprache spanisch ist und die meisten Ticos katholisch sind, hängt mit der Kolonialgeschichte des Landes zusammen (näheres hierzu im Kapitel „Geschichte”).